Sabrina Janesch: „Katzenberge“

Endlich mal wieder ein schönes Buch! So sanft, ruhig, mit Geheimnissen und der Leser als Gast in der Handlung dabei. Denn dies Buch fesselt. Ich mochte es gar nicht aus der Hand legen und war beinahe traurig als es ausgelesen war. Vielleicht gibt es eine Fortsetzung?

Worum geht es? Zugegeben, ich richtete mich bei der Wahl dieses Buches nach dem Klappentext, in dem es hieß: „…magisch, suggestiv….erzählt von vergehender Schuld, unheimlicher Heimat und einer geheimnisvollen Reise…“. Es geht um eine junge Frau, halb Polin, halb Deutsche. Sie hatte als Kind eine enge Bindung zu ihrem Großvater und muss nun zu seiner Beerdigung nach Niederschlesien fahren.

Dort trifft sie auch ihre Eltern, die nur ansatzweise beschrieben werden. Die Mutter rät ihr zu einer Reise in die ursprüngliche Heimat des Großvaters – nur dort könne sie ihn noch finden.

Die Verwandtschaft ist eigen, das Verhältnis zur Hauptfigur Nele Leibert grundsätzlich herzlich. Aber sie ist eben eine halbe Deutsche, und diese Besonderheit führt zu gelegentlichen Konflikten und Brüchen, die humorig geschildert werden. Eine leise Ironie.

Es ist vor allem die Sprache, die andere Welt, die beim Lesen verzaubert. Die Erzählung ist ruhig, erhält Spannung durch Sprünge vom Jetzt zum Früher. Die andere Welt, die aus der dieser Großvater stammt, Galizien in der heutigen Westukraine, beherbergt fremde Wesen. Was der Troll und desgleichen in Island, sind dort Bestien oder Wasserteufel.

Aber keine Angst, „Katzenberge“ ist keine Mystery-Geschichte und auch kein Fantasy-Roman. Diese seltsamen Wesen tauchen nur immer mal wieder in der Geschichte auf. Die besagte Bestie wird auch nicht vollends beschrieben, jedoch wird angedeutet, wie die Großmutter mit ihrem alten Wissen die Familie schützt. Sie ist eine Figur, die sowieso in leisen Tönen daher kommt, kaum beachtet von den Anderen. Und doch trägt und beschützt gerade sie den Großvater und die ganze Familie.

Es gibt ein Familiengeheimnis, ein Missverständnis. Vieles wird stimmig und flüssig erzählt. Aber als das Buch beendet war, wären da bei mir noch ein paar Fragen offen – nach Details oder nach dem weiteren Verlauf einzelner Geschehnisse und dem Verbleib mancher Figuren. Doch die Geschichte konzentriert sich auf das Wesentliche.

Und so ist „Katzenberge“ ein sehr schön geschriebenes Buch. Mit einer Geschichte, die alles bietet: Geheimnis, Fremdes, Liebe, Familie, Geschichte und vor allem Raum für viel Fantasie. Das Anliegen und der Kern der Handlung sind immer erkennbar und werden von der Autorin konsequent verfolgt.

Der Leser ist fast körperlich mit dabei, wenn Nele Leibert mit dem Fahrrad geheimnisvoll unterwegs ist und das Dorf darüber tratschen könnte. Oder wenn der Großvater als junger Mann flüchtet, eine neue Heimat aufbaut und seine Familie sucht, findet und nachholt. Wenn in der Gegenwart die Familie feiert und versucht sich in die Pläne einzumischen. Sabrina Janesch ist eine sehr begabte Erzählerin, die es versteht, sowohl plastische Figuren als auch eine spannende Geschichte zu entwickeln.

Als ich zum Ende des Buches gelangte, habe ich mit Bedauern die letzte Seite gelesen. Die Gedanken hängen nach. Und es bleibt ein gutes Gefühl. Auch wenn es vielleicht keine Fortsetzung dieser Familiengeschichte aus Galizien geben wird, so ist man froh, doch wenigstens diese Geschichte gelesen zu haben.

[Rezensentin: C.S.]

„Katzenberge“ von Sabrina Janesch ist ein wundervolles Buch, das in seiner stillen und eindringlichen Sprache den Leser verzaubert und ihn in ein Land führt, dessen Geschichte mit seinen Bewohnern verschwunden ist.

Sabrina Janesch studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim und Polonistik in Krakau. Die Arbeiten der Autorin wurden bereits mehrfach ausgezeichnet, und sie war die erste Stadtschreiberin von Danzig. Zurzeit schreibt Sabrina Janesch an ihrem zweiten Roman.

Autor: Sabrina Janesch
Titel: „Katzenberge“
Gebundene Ausgabe: 277 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN-10: 3351033192
ISBN-13: 978-3351033194

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