Burkhard Müller: „B – Eine deutsche Reise“

Seit es das Netzwerk der Autobahnen gibt, nehmen wir das Land nicht mehr wahr. Deutschland ist geschrumpft auf die zwei Punkte, wo man startet und wo man in längstens einem halben Tag angekommen sein will; dazwischen liegt nichts als gleichmäßig durchrollte Ödnis.

Der Raum links und rechts der Autobahn hat im „System A aufgehört zu existieren. Daneben aber besteht ein älteres Geflecht von Fernstraßen, die, als wären sie zu einer Art zweiter Liga abgesunken, sämtlich ein B vor ihrem Namen führen: die Bundesstraßen.

Dem System B der Bundesstraßen widmet Burkhard Müller sein neues Buch „B – Eine deutsche Reise“. Zwischen Dezember 2008 und November 2009 hat er sich auf eine Reise kreuz und quer durch Deutschland begeben und ist einzelne Bundesstraßen von ihrem Anfang bis zum Ende abgefahren. Von Stettin bis nach Scharnitz an der österreichischen Grenze, von Sachsen bis in die Niederlande, von Stralsund bis nach Selmsdorf bei Lübeck, von Ingelheim im Odenwald nach Sarreguemines kurz vorm Elsass und noch viele andere Strecken.

Insgesamt führt uns der Autor auf zehn exemplarischen Routen durch ein buntes und vielschichtiges Land. Dabei ist Müller nie allein gereist, denn er glaubt fest daran, „dass man nur wahrhaft sieht, wenn man noch während des Sehens darüber spricht.“ Und so begleiten ihn Jacqueline, seine Schwester Sabine, Gisa und Peggy und geben als Mitreisende dem Autor die Möglichkeit zur zeitnahen Reflektion des Erlebten.

Eigentlich ist Burkhard Müller Dozent für Latein an der TU Chemnitz, er ist aber auch Autor und Kritiker der „Süddeutschen Zeitung“ und erhielt 2008 den Alfred Kerr-Preis für Literaturkritik. Müller hat auch einige Bücher geschrieben, darunter den Essay „Die Tränen des Xerxes“ und „Lufthunde“, das sich mit der neuen deutschen Literatur beschäftigt.

Burkhard Müller ist ein Meister der atmosphärischen Beschreibung. Seine Reiseberichte kommen einem Essay über unser Land, unsere Kultur und Gesellschaft gleich. Wie der schreibende Flaneur einer längst vergessenen Epoche, so nähert sich der Autor unserem Lebensraum und verknüpft geschickt Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart, so dass der Leser nicht nur eine Moment- und eine Bestandsaufnahme des Zustands unseres Landes erhält, sondern gleichzeitig der Blick frei gemacht wird für das Zukünftige und Mögliche.

„B – Eine deutsche Reise“ ist diesem Sinne nicht nur ein Reisebericht, sondern gleichzeitig soziologisches Sachbuch, Road Movie und autobiographischer Roman. Eine sehr interessante Mischung, die uns auf weitere Bücher des Autors hoffen lässt, damit wir bald wieder in den Genuss der unverbrauchten und sich von allen Klischees fernhaltenden Sprache von Burkhard Müller kommen.

Autor: Burkhard Müller
Titel: „B – Ein deutsche Reise“
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Rowohlt Berlin
ISBN-10: 3871346632
ISBN-13: 978-3871346637

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