Julia Zange: „Die Anstalt der besseren Mädchen“

Lore ist Mitte zwanzig und lebt in einen eigenen Welt. Mit ihrem Freund Malte fährt sie im Zug durch das Land und besucht die Eltern, nur um gleich wieder in den nächsten Zug zu steigen und nach Hause zu flüchten. Malte ist Medizinstudent und Lore ist Lore. Sie ist Maltes Freundin. Sie ist schwanger. Sie findet auf dem Boden einen kleinen Glassplitter und steckt ihn in die Dielen. Malte trägt ein weißes geripptes Unterhemd und Acne-Jeans. Und so weiter und so fort.

Es ist die Beschreibung eines sinnlosen Daseins, womit sie vielleicht das Lebensgefühl vieler jungen Menschen von heute treffen mag. Schön lesen tut sich das jedoch nicht.

Julia Zange ist 1983 geboren und lebt in Berlin, hat beim open mike 2006 den ersten Platz gemacht und „Die Anstalt der besseren Mädchen“ ist ihr erstes Buch.

Als literarischer Erstling ist die Geschichte nicht schlecht. Unbewusst dankt man der Autorin auch für die Kürze dieses „Romans“, den man mit seinen 154 Seiten auch ohne Probleme als Erzählung oder Novelle bezeichnen könnte, aber Roman klingt natürlich imposanter.

Über die Geschichte selbst soll hier nicht mehr erzählt werden, sonst liest’s ja keiner mehr. Der Text wirkt wie eine Aneinanderreihung von Nahaufnahmen. Das ist interessant und gäbe Gelegenheit zu einer detaillierten Ausformung der Charaktere. Dennoch bleibt Loretta alias Lore alias Lo bis zum Ende ein seltsames Mädchen, keine Frau. Wer neugierig geworden ist, sollte „Die Anstalt der besseren Mädchen“ lesen; wer nicht, merke sich dennoch den Namen der Autorin: Von Julia Zange werden wir in Zukunft wahrscheinlich noch hören, denn sie hat Talent. Mit einer besseren Geschichte, etwas weniger Sex und mehr Tiefgang könnte man noch manches schöne Büchlein von ihr erwarten.

Autor: Julia Zange
Titel: „Die Anstalt der besseren Mädchen“
Broschiert: 157 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN-10: 351846146X
ISBN-13: 978-3518461464

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