Michel de Montaigne: „Von der Kunst, das Leben zu lieben“

Michel de Montaigne: Von der Kunst, das Leben zu lieben"„Bücher sind die beste Wegzehrung, die ich für unsere irdische Reise gefunden habe.“

Endlich. Schon lange war ich auf der Suche nach einem schönen, kleinen Büchlein, das die Hauptstränge des Werkes von Michel de Montaigne zusammenfasst, ohne gleich wieder nur eine Sammlung von Aphorismen zu sein. Aphorismen am Stück zu lesen wie einen normalen Text, das ist ja eigentlich unmöglich und erinnert mich an die Werbeblöcke im Fernsehen: Man wird zugeknallt mit Eindrücken und wichtigen Botschaften, und diese hechelnde Kurzatmigkeit macht das Gesehene und – in Fall der Aphorismen – das Gelesene unverdaulich.

Ganz anders sieht es beim dem hier vorgestellten Taschenbuch „Von der Kunst, das Leben zu lieben“ aus! Hans Stilett ist Übersetzer, Jahrgang 1922, und die komplette Neuübersetzung des Werkes von Montaigne, die durch eine Gesamtausgabe in der „Anderen Bibliothek“ im Eichborn-Verlag 1998 gekrönt wurde, kann nicht zuletzt aufgrund ihrer Qualität zurecht als sein Lebenswerk gelten. Neben dieser Gesamtausgabe erschienen die Früchte dieser Arbeit in zahlreichen weiteren Veröffentlichungen.

„Von der Kunst, das Leben zu lieben“ ist 2005 im DTV-Verlag erschienen und gibt auf genau 300 Seiten einen vorzüglichen und umfassenden Einblick in das Leben und Denken Michel de Montaignes.

Montaigne lebte als Philosoph und Essayist im Frankreich des 16. Jahrhunderts. Seine „Essais“ gehören zweifellos zum Kanon der Weltliteratur. Seine Menschenkenntnis und präzise Selbstbeobachtung spiegeln sich in unzähligen, scharfsinnige Anekdoten und malen ein buntes Gemälde von der Gesellschaft seiner Zeit.

Die Lektüre der Texte Montaignes ist erfrischend. Immer wieder verblüfft er durch seinen Scharfsinn, und so wirken seine Texte alles Andere als antiquiert. Sicherlich liegt es auch an der kongenialen Übersetzungsarbeit von Hans Stilett, dass Montaigne oft wie ein Feuilletonist unserer Tage klingt. Hier nur ein paar Kostproben:

Über Eitelkeit: „Der Gestank des eigenen Mistes ist jedem der liebste Duft.“
Über Weisheit: „Das deutlichste Zeichen der Weisheit ist ein stetes Vergnügtsein.“
Über Reichtum: „Ohne Geldgier zu sein, ist Reichtum.“
Über Mode: „Dem dauernden Hin und her der Mode zu folgen, macht uns zu Affen.“
Über Sinnlichkeit: „Auf geistige Weise sinnlich, auf sinnliche Weise geistig.“
Über Körper und Geist: „Es gibt nichts rein Körperliches und nichts rein Geistiges in uns.“

Montaignes Blick auf unsere Welt und auf das Leben an sich sind von „heiterer Gelassenheit“ geprägt. Der Mann liebte das Leben, und er verstand es zu leben. Das merkt man, wenn man zwischen den Zeilen liest. So sind die mit diesem Buch vorliegenden Auszüge aus Montaignes „Essais“ eine erstklassige Lebensschule für jedermann.

Kaufen Sie dieses Buch! Lesen Sie es mit Gewinn und geben Sie Ihr neu erworbenes Wissen auch an Andere weiter. Dieses Buch ist die ideale Lektüre für kalte, dunkle Wintertage und sei besonders denen empfohlen, die unter Winterdepressionen leiden; diese Lektüre wird Ihren verdunkelten und trübsinnigen Geist wieder aufhellen. Aber es spricht auch nichts dagegen, Montaigne am Strand und bei 30 Grad im Schatten zu lesen. Wahrscheinlich fällt es dann sogar um so leichter, die Quintessenz von Montaignes Denken für das eigene Dasein zu erfassen und durch das Lesen dieser Texte zu einem zufriedeneren Mensch zu werden, der eine Menge gelernt hat – „Von der Kunst, das Leben zu lieben“.

Bewertung: *****

Autor: Michel de Montaigne
Titel: „Von der Kunst, das Leben zu lieben“
Broschiert: 304 Seiten
Verlag: Dtv
ISBN: 3423136189
EAN: 978-3423136181

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