Leonhard Hieronymi: „In zwangloser Gesellschaft“

Ist es ein Roman? Wohl eher eine Art Reisetagebuch, das mitunter auch Anklänge von einer Reportage zeigt, hier und da kleine Wissenshäppchen einwirft, das Ganze zu einer angenehmen Mélange verquirlt und mitunter auch witzigen Lektüre macht. — Aber ein Roman ist eigentlich etwas Anderes …

Aber sei‘s drum! Leonhard Hieronymi hat ein unterhaltsames und über weite Strecken recht witziges Buch über Friedhofsbesuche geschrieben. Der Club der toten DichterInnen besteht aus einem bunten Reigen international unter der Erde liegender deutschsprachiger Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Six feet under liegen sie in Berlin und Rom, im Banat, Wien, Hamburg oder München. Die Reisen zu den Friedhöfen sind oft beschwerlich und von mehreren Abstürzen begleitet, was vor allem an Hieronymis Begleitern liegt, die einen stärkeren Hang zum Alkoholischen haben.

Der Ich-Erzähler neigt nur selten zu ausschweifenden biografischen Anmerkungen und bleibt meistens direkt am Ort des Geschehens. „In zwangloser Gesellschaft“ hätte auch das Zeug zu einem wilden Roadmovie, so anschaulich beschreibt der Autor die Landschaft und das Setting. Die Charaktere sind mit nur wenigen, gutsitzenden Strichen skizziert, und die Dialoge lebensnah. Der Klappentext bezeichnet dieses Buch als eine „moderne Abenteuerreise entlang der Gräber großer und kleiner Schriftsteller“, was das Ganze recht gut zusammenfasst.

Wer also intellektuelle Unterhaltung der etwas anderen Art wünscht und sich so manchen Tipp für seine eigene Entdeckungsreise zu den toten Schriftstellern erhofft, wird mit diesem Buch seine Freude haben und schöne Stunden in zwangloser Gesellschaft verbringen.

 

Autor: Leonhard Hieronymi
Titel: „In zwangloser Gesellschaft“
Herausgeber: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
ISBN-10: 3455009557
ISBN-13: 978-3455009552

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