Katharina Grätz: „Alles kommt auf die Beleuchtung an — Theodor Fontane – Leben und Werk“

Im Fontanejahr 2019 hat man den Eindruck, dass der gütige alte Herr, unser „Wanderer durch die Mark Brandenburg“, der „bedeutendste Vertreter des Bürgerlichen Realismus“, Theodor Fontane nicht nur als Projektionsfläche für die kollektive Sehnsucht nach einer vermeintlich guten alten Zeit herhalten muss, sondern auch groß angelegten marktstrategischen Prozeduren unterworfen wird, die sein Leben und Werk in allen nur erdenklichen Formaten einem möglichst breiten Publikum zur Verkostung präsentiert werden soll.

Mit anderen Worten ist der Buchmarkt voll von mehr oder weniger brillanten Biografien und zahlreichen Neuausgaben seiner literarischen Werke, nicht selten auch in Form von neuen monographischen Anthologien zu den unterschiedlichsten Oberbegriffen. Doch neben all diesen ausufernden und für den laienhaften (nicht-wissenschaftlichen) Leser in ihrer Ausführlichkeit kaum interessanten, sondern in eher überfordernden Publikationen, gibt es noch einige „Perlen“, die der besonderen Erwähnung wert sind. Eine solche Perle ist die jüngst im Reclam-Verlag publizierte, kleine Biografie von Katharina Grätz, die als Taschenbuch erschienen ist.

Katharina Grätz ist Literaturwissenschaftlerin und Professorin für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Freiburg. In ihrem Fontane-Buch gibt sie selbstverständlich auch einen guten (und ausreichend ausführlichen) Einblick in das Leben Theodor Fontanes, legt aber den Schwerpunkt eindeutig auf das literarische Werk. In aller Ausführlichkeit bleiben hier also die Lebens- und Berufsabschnitte des Apothekers, Auslandskorrespondenten und Informanten sowie des Journalisten unbehandelt — zugunsten einer Konzentration auf das literarische Schaffen seiner zweiten Lebenshälfte.

Diese Beschränkung auf das für den gemeinen Fontane-Rezipienten Wesentliche — nämlich die zahlreichen Früchte seiner literarischen Produktion — tut diesem Buch gut; seine Autorin konzentriert sich auf die Erläuterung, Einordnung und Kontextualisierung der Erzählungen und Romane, seiner lyrischen Texte und der Balladen Fontanes. Dies alles ist leicht verständlich und gleichzeitig hochinteressant zu lesen, weil hier die literarischen Werke nicht nur isoliert betrachtet, sondern unter Anderem auch in ihren jeweiligen historischen Kontext gestellt werden.

Dieser Beschäftigung mit den einzelnen Werken vorgängig ist eine gut lesbare Einführung in die Poetologie des bürgerlichen Realismus im Allgemeinen und jener spezifisch Fontane´schen im Besonderen, welche nicht nur für Studierende der Literaturwissenschaft und für Schüler im Leistungskurs Deutsch eine wertvolle Hilfe darstellen dürfte, sondern auch den interessierten Laien mit den komplexen Zusammenhängen des literaturhistorischen Hintergrunds des Werks Fontanes bekannt macht.

„Alles kommt auf die Beleuchtung an“ ist eine wunderbar leicht lesbare und gleichzeitig sehr fundierte Einführung in das Leben und Werk Theodor Fontanes, die aufgrund ihrer kompakten und konzisen Darstellung besonders für jene Leser geeignet ist, die sich auf die Lektüre der literarischen Werke konzentrieren wollen.

 

 

 

Autor: Katharina Grätz
Titel: „Alles kommt auf die Beleuchtung an — Theodor Fontane – Leben und Werk“
Taschenbuch: 264 Seiten
Verlag: Reclam Verlag
ISBN-10: 3150203872
ISBN-13: 978-3150203873

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