Marc Beise: „Die Ausplünderung der Mittelschicht“

Marc Beise: "Die Ausplünderung der Mittelschicht"In der Finanzkrise braucht der Staat noch mehr Geld als sonst. Aber unten ist nichts mehr zu holen. Und oben sind es zu wenige. Also muss mal wieder die Mittelschicht ran.

Genau hier aber – in der Mittelschicht – werden in mittelständischen Unternehmen Arbeitsplätze gesichert, und genau hier schlägt das eigentliche Herz unserer Gesellschaft. Wenn die Mittelschicht in dieser Krisenphase noch stärker belastet wird als bisher, dann sind die Auswirkungen für die Stabilität unseres Systems nicht voraus zu sehen.

Marc Beise ist Journalist und leitet die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung. In seinem Buch sucht er Alternativen zur aktuellen Politik des staatlichen Geldausgebens und Geldeintreibens. Hunderte von Milliarden stellt der Staat derzeit für die Sicherung von Banken und „systemrelevanten“ Unternehmen zur Verfügung. Geld, das irgendwo her kommen muss und das – noch schlimmer – auch von irgendjemand zurück gezahlt werden muss.

Die Angst der Bürger wächst. Niemandem ist wirklich klar, warum das eine Unternehmen gestützt und das andere fallen gelassen wird, warum man mit staatlichen Geldern Banken subventionieren muss, während das Top-Management satte Boni einstreicht. Und die Frage bleibt, warum für solche Sachen auf einmal so viel Geld da ist, während noch vor kurzem nicht einmal die Erhaltung der eigenen Infrastruktur und der kommunalen Einrichtungen in Deutschland gewährleistet schien.

Die Antwort auf diese Frage: Wir leben zur Zeit auf Pump. Und die Rechnung muss beglichen werden – von allen Bürgern-. Wenn unten jedoch nichts mehr zu holen ist und oben nur wenige bereits sind, überhaupt Steuern zu zahlen, dann muss der Staat sich das Geld, das er mit großer Selbstverständlichkeit und ohne öffentliche Diskussion ausgegeben hat, eben wieder von den breiten, arbeitenden Schichten der Gesellschaft zurück holen – von der Mittelschicht.

In seinem Buch schreibt Marc Beise in gut lesbarem Stil, wie der Staat seine Bürger auskocht und zur Kasse bittet. – „Lasst uns froh und neoliberal sein!“ heißt ein Kapitel seines Buches, in dem er das Credo und die Auswirkungen einer freien, ungezügelt privatisierenden und globalisierenden Marktwirtschaft beschreibt.

Der Autor sucht nach Alternativen zur aktuellen Politik der Hilflosigkeit. Die Lösung sieht er in einem „Dreisprung“, um ein Bild aus der Leichtathletik zu verwenden. Dreisprung ist eine anstrengende Disziplin. Man muss beim Anlauf das richtige Tempo aufnehmen, und die einzelnen, direkt hintereinander folgenden Sprünge müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein.

Sprung Nummer eins sind die Millardenprogramme des Staates zur Rettung von Banken und Unternehmen. Der zweite Sprung muss in einer neuen weltweiten Reglementierung des Bankensektors liegen. Sprung Nummer drei ist ein Umdenken in der Wirtschaft. Weg von totaler Freizügigkeit und Beliebigkeit und eine Renaissance der Eigenverantwortung. Nur wenn wir zu einer Kultur des sozial verantwortungsbewussten Handelns in der Wirtschaft finden, kann die deutsche Wirtschaft auf Dauer gesunden.

Jeder Versuch der Fortsetzung des alten Verhaltens oder gar der Ruf nach einem weiteren Abbau von Handelsbeschränkungen muss im Chaos enden. Nur eine Abkehr von neoliberalen Grundsätzen und eine gemeinsame Anstrengung von Staat und Gesellschaft zur Stützung eines sozial verantwortlichen und solidarischen Wirtschaftssystems werden das Wohlstandniveau des Standorts Deutschland in den Zeiten der Krise und danach erhalten können.

Marc Beises Buch ist ein Report über die deutsche Mittelschicht am Anfang des 21. Jahrhunderts. Auf über 200 Seiten bietet es eine gut lesbare Einschätzung der aktuellen Lage und gewährt einen Ausblick in die nahe Zukunft. So gesehen, geht dieses Buch jeden etwas an. Eine öffentliche Diskussion über die zukünftige Gestaltung unserer Gesellschaft ist unter dem Zeichen der globalen Krise wichtiger denn je.

Autor: Marc Beise
Titel: „Die Ausplünderung der Mittelschicht“
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
ISBN: 3421044201
EAN: 978-3421044204

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