Paul Ewen: „Francis Plugs Handbuch für Autoren”

Dies ist kein Handbuch für Autoren, sondern ein Roman. Dies ist aber nicht nur ein Roman, sondern eben auch ein Handbuch für Autoren. — Was denn nun?!

Beginnen wir mit dem Namen: Francis Plug. Das ist natürlich ein Pseudonym. Niemand heißt so. Oder doch? Auf jeden Fall hat sich der Autor (mit richtigem Namen heißt er Paul Ewen, stammt aus Neuseeland und lebt heute in England) diesen Künstlernamen zugelegt, um seinen ersten Roman zu schreiben. Er will endlich Schriftsteller werden, denn eigentlich ist er Gärtner.

Wenn es seine Auftragslage hergibt, gönnt er sich gerne nach Feierabend den einen oder anderen kräftigen Schluck aus der Flasche. Manchmal aber auch vor Feierabend, was wiederum nicht gerade seiner Auftragslage förderlich ist. Doch was soll´s?! Er ist zwar mit Leib und Seele Gärtner, er hält sich eben gerne an der frischen Luft auf. Aber noch lieber wäre er ein Schriftsteller und zwar möglichst ein erfolgreicher!

Doch auch hier müssen wir schon wieder eine Einschränkung machen, denn Francis Plug hat festgestellt, dass sein romantisches Bild von einem Schriftsteller ganz und gar nicht mehr in unsere Zeit zu passen scheint: Das Bild vom zurückgezogenen Autor, der sich kaum in der Öffentlichkeit zeigt und dadurch nur noch seinen Nimbus des literarischen und intellektuellen Genies verstärkt, funktioniert in unserer schillernden Medienwelt überhaupt nicht mehr.

Der erfolgreiche Schriftteller ist genauso zum Medientyp geworden wie der Fußballer, die Chanteuse oder die blonde Schnalle aus dem Dschungelcamp. Der erfolgreiche Schriftsteller muss sich in der Öffentlichkeit zeigen, er muss eloquent und charmant, gutaussehend und witzig sein!

In seiner Freizeit besucht Francis Plug Lesungen und beobachtet die Medienauftritte der ganz Großen. Für seinen Roman hat er sich vor allem die Booker-Prize-Träger ausgesucht, die er mit seinen besuchen nervt. Francis Plug (Salman Rushdie: „Heißen Sie wirklich so?!?“) schaut den mit diesem renommierten Literaturpreis ausgezeichneten „Kollegen“ auf die Finger und lässt sich (zum Beweis der Wahrhaftigkeit seiner Recherchen) deren Bücher signieren.

Da Francis Plug dem Alkohol nicht gerade abgeneigt ist (siehe oben), fällt er des Öfteren während der Lesungen aus der Rolle oder auch mal vom Stuhl. Das bleibt natürlich nicht unbemerkt. Doch egal, wie sehr sich Plug während seiner Recherchen danebenbenimmt, immer hat er ein paar wichtige Erkenntnisse, die er seinen Lesern mitteilt. Denn genau darum geht es ihm: seinen Lesern in einem Handbuch für (angehende) Autoren die wichtigsten Tipps mit auf den Weg zu geben, damit sie nicht gleich an der ersten Klippe scheitern.

Denn wer ein erfolgreicher Autor werden will, muss viel mehr können, als nur schreiben! Er muss richtig gekleidet sein, denn die Schweinwerfer sind wahnsinnig heiß; er muss das hingestellte Glas Wasser meiden wie der Teufel den Weihrauch, denn es ist voller Mikroben; er muss immer eine passende Standard-Phrase für blödsinnige Publikumsfragen parat haben usw.

Das Ganze liest sich sehr, sehr unterhaltsam. Es ist im besten Sinne eine leichte und typisch englische Lektüre. Francis Plug bewegt sich zwischen Gartenarbeit und Buchpräsentationen; manchmal vergisst er sich umzuziehen… So wandert er von Salman Rushdie über Hilary Mantel, Julian Barnes und Kazuo Ishiguro bis zu V. S. Naipaul und Arundhati Roy und J. M. Coetzee. Immer sind es Lesungen, zu denen er geht, und dies ist auch der einzige Kritikpunkt, den man an diesem spaßigen und unterhaltsamen Buch haben kann: die Wiederholung des Settings.

Aber wie sollte man auch sonst an diese wichtigen Autoren herankommen und ihnen bei der Arbeit zusehen, wenn nicht während ihrer (Presse-)Arbeit?!? Insofern bringt diese Wiederholung der Treffen mit den Autoren keinen echten Punktabzug.

Wer wissen möchte, wie es im literarischen Showgeschäft zugeht, muss „Francis Plugs Handbuch für Autoren“ unbedingt lesen! Was für die träger des Booker Prizes gilt, lässt sich mühelos auf deutsche Verhältnisse übertragen: Auch hier wird Literatur zur Show, in der die Präsentation eines neuen Titels zu einem Medienereignis hochgepusht wird.

Paul Ewens Ausflüge in die literarische Medienwelt sind ein echter Lesespaß für alle, die sich für den modernen Literaturbetrieb interessieren, und eine heilsame kalte Dusche für jene, die vom schönen Leben als berühmter Schriftsteller träumen.

 

Autor: Paul Ewen
Titel: „Francis Plugs Handbuch für Autoren”
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Manhattan
ISBN-10: 3442547660
ISBN-13: 978-3442547661