Klaus-Jürgen Grün: „Angst – Vom Nutzen eines gefürchteten Gefühls“

Klaus-Jürgen Grün: "Angst. - Vom Nutzen eines gefürchteten Gefühls."Angst gehört zu den wichtigsten Gefühlen, die wir haben. Oft empfinden wir sie als hemmend und lähmend. Aber Angstgefühle können uns auch vor drohenden Gefahren bewahren. Wer z.B. beim Autofahren die Augen schließt, weil er keine Angst hat, wird sehr wahrscheinlich Schaden erleiden. Wer die Anzeichen einer gefährlichen Situation ignoriert, wird mit größerer Wahrscheinlichkeit in Gefahr geraten als jemand, der ein natürliches und gesundes Angstgefühl empfindet.

Die Balance zwischen einer positiven Furcht auf der Seite und einer übertriebenen Vorsicht und unbegründeten Ängstlichkeit auf der anderen Seite, das ist die Kunst des richtigen Umgangs mit den eigenen Angstgefühlen.

Klaus-Jürgen Grün ist Philosoph und Hobbypilot. Diese doppelte Qualifikation lässt davon ausgehen, dass er in der Lage ist, das Thema Angst aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Unser leben ist von zahlreichen diffusen Ängsten geprägt: vor Gewalt und Terror, vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg, vor emotionaler Zurückweisung und Bloßstellung.

Dagegen unterschätzen wir viel zu häufig konkrete Gefahren, wie sie etwa vom Straßenverkehr oder von der Atomkraft ausgehen. Mit dem Komplexerwerden der Welt wird es für den Einzelnen immer schwerer, Bedrohungen einzugrenzen und mit ihnen umzugehen.

Grün geht ganz systematisch an das Thema Angst heran und definiert zunächst den Begriff der Angst und geht ihren Ursachen als „mentalem Ereignis“ des menschlichen Empfindens nach. Er unterscheidet bewusst zwischen der realen Furcht, die auf natürliche Instinkte (wie die Furcht vor Feuer, Tod, Kälte, Höhe,…) zurück geht, und der eher irrational wirkenden Angst vor einer diffusen Gefahr. Furcht lässt sich auf uralte Lebens(schutz)-Instinkte zurückführen; was aber macht uns ängstlich, wenn wir z.B. zum ersten Mal allein vor einem großen Auditorium sprechen sollen? Oder wenn wir aus Angst vor einer Ansteckung mit der Schweinegrippe die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln meiden?

Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit der Evolutionsgeschichte der Angst und zeigt, dass Angst ein durchaus nützliches und an sich positives Gefühl ist, wenn es um die realistische Einschätzung realer Gefahren geht.

„Weniger Angst ist mehr Leben“, stellt der Autor in einem Kapitel fest. Wir leben in einer durch das mediale Dauerfeuer von Katastrophenmeldungen traumatisierten Gesellschaft. Gibt man sich dieser exogenen Panikmache hin und begegnet man ihr nicht mit einem klaren Verstand, so tritt die Angst an die Stelle eines freien Geistes, der die Fülle der Möglichkeiten unserer Wirklichkeit wahrnimmt, und die natürliche Zuversicht und Lebensbejahung wird abgeblockt durch eine lähmende. diffuse Lebensangst des Einzelnen.

Zeigt der Autor Lösungswege aus der Angst? Leider nein; aber die Intention dieses Buches ist die Aufklärung über das Thema, und Grüns Buch beansprucht nicht, ein Lebensratgeber zu sein. Allein die zweiseitige „Checkliste der Angst“ am Ende des Buches gibt der Autor dem ängstlichen Leser mit auf dem Weg.

Die Kultur der Angst nimmt einen breiten Raum dieser kulturphilosophischen Abhandlung ein, und natürlich darf bei einem Hobbypiloten als Autoren auch ein Kapitel über die „Angst vorm Fliegen“ nicht fehlen.

Grüns Sprache ist schnörkellos und gut verständlich, und der Leser wird diesen 300 Seiten starken Essay über die Angst und den Nutzen dieses gefürchteten Gefühls mit Gewinn lesen. Man braucht also keine Angst zu haben, dieses Buch in die Hand zu nehmen, es durchzublättern und zu kaufen.

Lesen Sie dieses Buch. Haben Sie keine Angst, Sie schaffen das.

Autor: Klaus-Jürgen Grün
Titel: „Angst. Vom Nutzen eines gefürchteten Gefühls.“
Gebundene Ausgabe: 310 Seiten
Verlag: Aufbau Verl., Berlin
ISBN: 3351026765
EAN: 978-3351026769

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