Fünf Fragen an Micaela Jary zu Ihrem neuen Roman „Das Bild der Erinnerung“

Micaela Jary (c) Rossigraphie(per Mail am 08.11.13)

Frage 1: Sie sind als Schriftstellerin ja eigentlich eher im Genre des historischen Romans zu Hause. Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Roman, der in der Nachkriegszeit und der Gegenwart spielt?

Meine Tochter ist Historikerin und arbeitet im AlliiertenMuseum in Berlin. Irgendwann führte sie mich durch dieses – mir bis dahin unbekannte – Museum und ich war begeistert. Die Ausstellung berührte mich sehr. Dann las ich einige Ausstellungskataloge durch und traf auf „Es begann mit einem Kuss“ über die deutsch-alliierten Beziehungen in der Nachkriegszeit. Die darin erzählten Schicksale waren ebenso wie die privaten Details in der Ausstellung eine Fundgrube. Etwa zeitgleich ging ein Fälscheskandal durch die Medien. Da es sich bei den gefälschten Bildern vorwiegend um die so genannte Klassische Moderne handelte, ergab sich die Verbindung zur Raub- und Beutekunst des Zweiten Weltkriegs. Aus diesen Eckdaten, kombiniert mit Erzählungen meines Vaters, der das Kriegsende und die Nachkriegszeit in Berlin erlebt hatte, formte sich dann meine Geschichte.

Frage 2: Wieviel Zeit haben Sie für die Recherche dieses Romans aufgewandt?

Naja, wenn Sie die Geschichten meines Vaters dazu nehmen, müsste ich sagen – ein Leben lang. Aber das trifft natürlich nicht Ihre Frage. Eine ehrliche Antwort, die einen bestimmten Zeitraum eingrenzt, kann ich Ihnen trotzdem nicht geben. Klar, für Expose und Leseprobe benötigte ich ein gewisses Grundwissen, doch die Recherche hört eigentlich nicht auf bis das Manuskript im Lektorat ist. Das ist kein in sich abgeschlossener Prozess. Während des Schreibens bin ich auch noch schwer dabei.

Frage 3: Wie sieht der Schreibprozess bei Ihnen aus? Wie konzipieren Sie einen Roman?

Üblicherweise beginnt die Arbeit, und das war ja auch in diesem Fall nicht anders, mit einer Basis-Idee, auf der aufgebaut wird. Ich fange zunächst einmal damit an, zu meinem Thema zu googeln. Wenn man sich Wikipedia anschaut, kann man in ein Thema ganz gut einsteigen. Wir wissen zwar alle, dass Wikipedia immer mit Vorsicht genossen werden sollte; aber am Ende der Artikel werden häufig Literaturhinweise genannt, die sehr hilfreich sein können. Auch das Spiegel-Archiv etwa war als Baustein für den aktuellen Roman sehr nützlich. Mit bestimmten Stichworten findet man dann bei ZVAB eine Menge Material (zvab ist das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher). Wie ich schon sagte, griff ich aber zusätzlich auf das Material des AlliiertenMuseums zurück. Und im Laufe der Jahre habe ich mir natürlich auch eine Bibliothek zugelegt, in der ich das eine oder andere hilfreiche Buch fand.

Das wäre dann also mal der Hintergrund. Aus den historischen und geografischen Besonderheiten ergeben sich dann fast zwangsläufig die Figuren.

Ich versuche, Menschen zu skizzieren, deren Biografien in die jeweilige Zeit passen und die genau so gelebt haben könnten. Und dann lege ich los. Im Expose sind ja bereits die tragenden Säulen (Anfang, Mitte, Ende) entworfen worden. Das Drumherum ergibt sich günstigstenfalls von selbst, wenn ich die Romanfiguren tatsächlich zum Leben erwecken kann. Damit entsteht eine wundervolle Eigendynamik.

Frage 4: Ihr neues Buch ist nun schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Welche Reaktionen erhalten Sie von Ihren Leserinnen und Lesern?

Die Reaktionen sind überwältigend. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Die Leserinnen und Leser (ich glaube aber, es sind vorwiegend Frauen) brechen geradezu in Jubel aus, wenn von „Das Bild der Erinnerung“ die Rede ist. Als ich die ersten Rezensionen las, brach ich vor lauter Rührung in Tränen aus. Ich meine, das sind wildfremde Menschen, die ihre Begeisterung für meinen Roman so wundervoll begründen. Das ist toll! Und ich kann jedem guten Gewissens versichern, dass das weder gekaufte noch Gefälligkeits-Rezensionen sind. Auch hat bisher kein einziges Mitglied meiner Familie öffentlich einen Kommentar zu meinem Roman abgegeben. Die Rezensionen sind also wirklich echt – und berühren mich immer wieder neu.

Frage 5: Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt zu Ihren Lesern?

Sehr wichtig! Ich finde Lesungen wunderbar und auch Leserunden ganz toll. Dieser Austausch mit den Leserinnen und Lesern, der Kontakt und das Feedback sind mir sehr wichtig. Als Autor hat man ja einen unglaublich einsamen Job: Du sitzt an deinem Schreibtisch und schreibst vor dich hin. Da ist mir dann a) der Austausch mit Kollegen über Autorenkreise, in denen ich Mitglied bin, wichtig – und b) die Auseinandertsetzung mit den Leserinnen und Lesern. Facebook etwa ist dafür ideal! Ein wunderbares Medium übrigens auch für den Kontakt zu Buchhändlern.

 

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