Katharina Ceming, Jürgen Werlitz: „Die verbotenen Evangelien. Apokryphe Schriften“

K. Ceming / J. Werlitz: "Die verbotenen Evangelien"Die in der Bibel versammelten Schriften sind nicht die einzigen Dokumente, die aus jüdisch-christlicher Sicht von Gott, der Erschaffung der Welt, die Geschichte Israels oder vom Leben und Wirken von Jesus von Nazareth berichten. Gerade das Neue Testament, wie wir es heute kennen, ist das Ergebnis einer strengen Auswahl von Texten durch die Kirchenväter.

Gerade im 2. Jahrhundert gab es eine ganze Reihe verschiedener Strömungen, die schon allein aufgrund ihrer Vielfalt die Einheit der frühen christlichen Kirche gefährdeten. Besonders die um Marcion gebildete Sekte wurde zu einer echten Bedrohung. Marcion vertrat die Ansicht, dass der Strafende Gott des Alten Testaments mit dem Liebenden Gott, den Jesus im Neuen Testament verkündete, nicht vereinbar sei. Folgerichtig glaubten seine Jünger, dass es sich um zwei verschiedene Gottheiten handeln müsse, weshalb man dem im Neuen Testament verkündeten Gott den Vorzug geben müsse. – Dies ist nur ein Beispiel unter vielen.

Vor allem gnostische Sekten stellten die Autorität der „Amtskirche“ immer wieder in Frage. Das frühe Christentum drohte zu zersplittern, und so wurde die verbindliche Bildung eines „Kanons“ der in der Bibel gesammelten (authentischen) Schriften zu einer Macht- und Überlebensfrage der frühen Kirche. Jener Kanon war fortan für alle „wahrhaft Gläubigen“ verbindlich. Alle anderen bekannten Schriften fielen durchs Raster; ihre Quellen galten fortan als fragwürdig und ihre Verbreitung wurde verboten.

Katharina Ceming und Jürgen Werlitz haben in dem Buch „Die verbotenen Evangelien“ die ehrenswerte Aufgabe vollbracht, die Vielzahl der neben den biblischen Schriften existierenden Schriften zu ordnen und dem interessierten Laien in einer anschaulichen Form zu präsentieren.

Wir erfahren im ersten Teil des Buches eine Menge über die Zusammenhänge und den Ursprung der vorliegenden Texte. Die Autoren geben Auskunft über die Geschichte der Kanonisierung der biblischen Schriften wie auch über die Fundstellen der interessanten Schriftrollen in der ägyptischen Wüste von Nag Hammadi.

Im umfangreicheren zweiten Teil des Buches sind dann die Originaltexte in einer sehr gelungenen Neuübersetzung von Jürgen Werlitz zusammengetragen. Wir finden hier nicht nur die bekannteren Schriften wie das Thomasevangelium oder das Judasevangelium, sondern auch das Evangelium der Maria Magdalena, das Geheime Markusevangelium oder auch das Protoevangelium des Jakobus.

Jeder Originaltext verfügt über eine ausführliche Einleitung, die mit dem Text vertraut macht. Die für den Marixverlag übliche hochwertige Ausführung bei der Buchherstellung macht diese Ausgabe der „Verbotenen Evangelien“ zu einem wirklich schönen und schmückenden Buch.

Fazit: Wer sich für die apokryphen Schriften der Bibel interessiert und ein umfassenderes, spannendes Bild der Lebensgeschichte Jesu bekommen will, der ist mit dem Kauf und der Lektüre dieses Buches wirklich gut beraten.

Autor: Katharina Ceming, Jürgen Werlitz
Titel: Die verbotenen Evangelien. Apokryphe Schriften
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Marixverlag
ISBN: 386539146X
EAN: 978-3865391469

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