Paul Schulz: „Atheistischer Glaube“

Paul Schulz: "Atheistischer Glaube"Das Thema ist populär. Immer mehr Menschen fühlen sich durch die großen christlichen Kirchen nicht mehr vertreten, viele Entscheidungen der Amtskirchen stoßen auf Unverständnis oder gar Ablehnung. Die Glaubensdogmen vor allem der katholischen Kirche wirken auf viele Menschen weltfern und nicht mehr nachvollziehbar. In der Folge wenden sich viele Menschen von den Kirchen ab und treten aus. Bei anderen wieder mögen gar traumatische Erlebnisse in der Enge eines christlich-fundamentalistischen Eternhauses der Auslöser für einen Glaubensverlust gewesen sein. Oft wird leider nicht unterschieden zwischen einer enttäuschten Abkehr von der Amtskirche und dem realen Verlust des persönlichen Glaubens. Je glühender die Glaubensgrundsätze geglaubt, befolgt und vertreten wurden, desto deutlicher ist auch die Verfechtung eines feurigen Atheismus nach der Glaubens- bzw. Kirchenkrise des Einzelnen.

Ein bisschen scheint dies auch bei Paul Schulz, dem Autor des Buches „Atheistischer Glaube“ der Fall zu sein. Paul Schulz, ehemals Pastor an der Hamburger St. Jacobi-Kirche, wurde 1979 von der evangelischen Kirche seines Amtes enthoben. Vorangegangen waren mehrere Jahre juristischer Auseinandersetzungen, in denen es um Glaubensfragen ging. Die Evangelische Kirche strengte ein so genanntes „Lehrzuchtsverfahren“ gegen den Pastor an, seit jener in Publikationen und Predigten zentrale Themen des christlichen Glaubens „kritisch hinterfragte“ und u.a. öffentlich an der Auferstehung Christi zweifelte.

Abweichler leben meist gefährlich, nicht nur in der katholischen Kirche. Bildlich gesprochen, bringt auch die evangelische Kirche ihre Schäfchen (und vor allem die Hütehunde) auf Kurs, wenn öffentliche Repräsentanten die Glaubensregeln ins Wanken bringen wollen. Seit 1979 ist Schulz also kein Pastor mehr und nahm dies wahrscheinlich sehr persönlich.

Seitdem verbreitet Paul Schulz in vielen Publikationen munter seine eigenen Glaubensgrundsätze und Forschungsergebnisse. Dabei scheint er selbst nicht nur den Glauben an die Amtskirche sondern auch an Gott verloren zu haben.

Interessanterweise geht der Autor in seinem Traktat für einen „Glauben ohne Gott“ sehr dogmatisch vor. Das Buch unterteilt er in sieben Kapitel; jedes Kapitel endet mit 5 Schlussthesen. – 7 x 5 = 35 Thesen also für eine „Lebensphilosophie ohne Gott“. Der Autor selbst nennt sie stolz sein „Atheistisches manifest“.

Der Weg dahin führt über die üblichen Verdächtigen: Fragen wie „Wie kann Gott Leid zulassen?“ oder engagiertes Beweisführungen für die Nicht-Existenz Gottes geben dem aspirierenden Atheisten und Leser das nötige argumentative Rüstzeug an die Hand, um seinen atheistischen Glaubensweg zur endgültigen Befreiung des eigenen Ichs aus den „Zwängen“ seiner kulturellen Verwurzelung auch gegenüber den rückständig immer noch christlich Glaubenden (oder auch sich selbst gegenüber?) rechtfertigen zu können.

Der Autor führt sehr stringent seine Beweisführung durch und gibt aus seiner (Glaubens-)Sicht Auskunft auch über die letzten Fragen (Leben, Sterben, Tod) sowie über Gemeinschaft, Nächsten- und Umwelt-Liebe bis hin zu eher philosophischen Fragen wie die „Nützlichkeit des Schönen“, die „Sinnlichkeit der Erotik“ oder die „kosmische Erhabenheit“.

Alles in allen ist es ein durchaus interessant zu lesendes Buch eines ehemaligen evangelischen Pastors und Theologen, dessen „Atheistisches Manifest“ den Siegeszug der Vernunft über den Glauben in guter humanistischer Manier als die einzig wahre „Lebensphilosophie ohne Gott“ zu beweisen versucht.

Wer daran glaubt, wird selig. – Wer an Gott glaubt, kommt obendrein noch in den Himmel. Wofür sich der Leser letztendlich entscheidet, ist reine Glaubenssache.

Autor: Paul Schulz
Titel: Atheistischer Glaube
Gebundene Ausgabe: 287 Seiten
Verlag: Marixverlag
ISBN: 3865391796
EAN: 978-3865391797

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