Gabriele Farke: „Gefangen im Netz? Onlinesucht: Chats, Onlinespiele, Cybersex“

Der Übergang von einem intensiven und sinnvollen Gebrauch des Internets hin zu einem suchtartigen Verhalten, bei dem auf die Online-Welt nicht mehr verzichtet werden kann, erfolgt schleichend.

Die Ursachen für ein Abrutschen in die Onlinesucht sind nicht nur, aber eben auch eine Frage des Charakters und der Veranlagungen. Die Angebote sind für manchen verlockend: Die Anonymität der Chaträume erlaubt das Ausleben der eigenen Fantasien; die allzeitige Verfügbarkeit von Pornografie und Gewalt, falls man das sehen möchte, macht das Internet zu einem riesigen globalen Masturbationsraum, und die schillernde Welt der Onlinespiele von Poker bis „World of Warcraft“ versammelt rund um die Uhr eine weltweite Millionengemeinde.

Gabriele Farke hat diese fremde und doch so vertraut wirkende Welt der Onlinesüchtigen untersucht und in dem vorliegenden Buch ihre Ergebnisse zusammen gefasst. Hierbei verwendet sie eine klare und leicht verständliche Sprache. „Gefangen im Netz?“ wendet sich also weniger an das akademische Publikum als an den normalen Leser und hier ganz besonders an jene, die nicht sicher sind, ob sie nicht vielleicht sogar selbst unter einer leichten Form der Onlinesucht leiden könnten.

Was Onlinesucht im medizinischen Sinne ist, darüber wird noch gestritten. Deshalb gibt es auch immer noch kein von der WHO anerkanntes und in der ICD-10-Klassifikation hinterlegtes Krankheitsbild. Das hat zur Folge, dass sich Ärzte nicht sicher sind, wie sie bei einem Patienten eine Form der Onlinesucht diagnostizieren und über den Klassifikationsschlüssel abrechnen können. Also bleiben die Betroffenen meist im Regen stehen oder werden gemäß anderen ähnlichen Krankheitsbildern behandelt.

Hier brodelt in unserer Gesellschaft ein teuflisches Süppchen, das unseren Alltag mittel- bis langfristig beeinflussen wird. Salopp gesagt, bleiben die Betroffenen ja nicht rund um die Uhr in ihrem abgedunkelten Kämmerlein und geben sich ihrer Sucht hin. Das wäre, einmal abgesehen von den Schäden, den die Betroffenen an Leib und Seele nähmen, für die Gesellschaft ohne weitere Folgen. Doch auch der Onlinesüchtige ist ein Teil unserer Gesellschaft, nimmt aktiv und reaktiv an unserem Leben Teil und ist weiterhin, je nach Abstufungsgrad seiner Sucht, ein soziales Wesen.

Gabriele Farke hat die wichtigsten Fakten zusammen getragen und gibt den Betroffenen und ihren Angehörigen eine Menge an guten Tipps und Ratschlägen zur Selbsthilfe auf den Weg. 1998 gründete sie den Verein HSO – Hilfe zur Selbsthilfe bei Onlinesucht. Als Schulungsleiterin für EDV und Dozentin von Internetkursen ist sie Expertin für Suchtfragen im Online-Bereich. Sie initiierte auch die sehr gut besuchte Internetseite http://www.onlinesucht.de/, auf der man jede Menge weitere Informationen zum Thema und interessante Links findet.

Eine Website als Onlinesucht-Beratungsstelle erscheint zunächst ähnlich absurd wie die Beratung Alkoholabhängiger in einer Destillerie. Doch die Website Onlinesucht.de wirkt friedlich, informativ und nicht überladen. Kein Flimmern, Flackern oder reißerische Animationen. Ruhig und verständnisvoll wird über das Thema informiert und die Arbeit des Vereins vorgestellt.

Doch zurück zum Buch: „Gefangen im Netz?“ ist für Menschen geschrieben, die eine Ahnung haben, dass sie unter einer der verschiedenen Formen von Onlinesucht leiden oder Sorge haben, dass sie selbst oder ihr Partner in den Strudel der Onlinesüchte geraten könnten. Dieses 152 Seiten starke Buch bietet eine praktische Hilfe und gehört auch als Lehr- und Arbeitsbuch an die Schulen. Denn die meisten Onlinesüchtigen sind männlich und jung.

Autor: Gabriele Farke
Titel: „Gefangen im Netz? Onlinesucht: Chats, Onlinespiele, Cybersex“
Broschiert: 152 Seiten
Verlag: Huber, Bern
ISBN-10: 3456849435
ISBN-13: 978-3456849430

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