Keith Christiansen, Stefan Weppelmann (Hg.): „Gesichter der Renaissance – Meisterwerke italienischer Portrait-Kunst“

Die Berliner Ausstellung „Gesichter der Renaissance“ ist vorbei. Über 250.000 Besucher haben die Ausstellung am Bode-Museum auf der Museumsinsel besucht. Nun wandert die Ausstellung ins New Yorker Metropolitain Museum of Art.

Wer die Berliner Ausstellung verpasst hat, kann sich die Gemälde zwar nicht mehr in Originalgröße anschauen, wird jedoch mit einem hervorragend gemachten und mit vielen zusätzlichen Informationen ausgestatteten Ausstellungskatalog belohnt.

Der Katalog „Gesichter der Renaissance“ ist in enger Zusammenarbeit der Berliner Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, und dem Metropolitain Museum of Art, New York, entstanden. Der wunderschön produzierte Bildband beinhaltet natürlich den gesamten Bildkatalog der Ausstellung mit umfangreichen Detail- und Hintergrundinformationen zu den Ausstellungsstücken.

Darüber hinaus werden von namhaften internationalen Kunsthistorikern in mehreren Essays das Kunstverständnis und die Gesellschaft der Renaissance-Zeit von verschiedenen Seiten beleuchtet. Patricia Rubin macht den Anfang mit ihrem Essay über Florenz und das Portrait der Renaissance. Beverly Louise Brown betrachtet die Bildniskunst an den Höfen Italiens, Peter Humfrey behandelt in seinem Essay das Portrait im Venedig des 15. Jahrhunderts.

Stefan Weppelmann, Kurator für italienische und spanische Malerei der Frührenaissance an der Berliner Gemäldegalerie, widmet seine Aufmerksamkeit dem Aspekt der Ähnlichkeit im Portrait der italienischen Frührenaissance. Der letzte Beitrag stammt von Rudolf Preimesberger, Universitätsprofessor am Kulturhistorischen Institut der FU Berlin, und befasst sich mit der psychologischen Wirkung des Gesichts im Gemälde.

Wenn hier die Rede von einem Bildband ist, so handelt es sich eigentlich um eine Untertreibung. Der Münchner Hirmer Verlag, bei dem dieses Werk erschienen ist, spricht auch von einem „Prachtband“. Dieser Einschätzung kann man sich gerne anschließen, denn was hier auf 420 großformatigen Seiten in bester Buchdruck-Qualität produziert wurde, ist wirklich prachtvoll zu nennen.

Was dem Buch leider nicht gelingt, ja, nicht gelingen kann, ist die Simulation der Anordnung der Exponate in der Ausstellung. Gegenüberstellungen, die Bildung von Spannungsbögen mittels räumlicher Platzierung, kann nicht die Aufgabe eines begleitenden Ausstellungskatalogs sein. Doch der hier vorliegende Bildband braucht das auch gar nicht, denn er liefert mit den zahlreichen Hintergrundinformationen und seinen kompetenten fachlichen Beiträgen einen völlig anderen Ansatz als die Ausstellung und verhilft dem Leser zu einem umfassenden Verständnis jenes tief greifenden Wandels, der durch die Portraitmalerei der Renaissance in der Kunst und in der Selbstwahrnehmung der Menschen im 15. Jahrhundert ausgelöst wurde.

Als Begleitung für den perfekten Kulturgenuss empfiehlt sich zur Lektüre dieses prachtvollen Bildbandes eine gute Flasche italienischen Rotweins sowie eine schöne CD mit italienischer Lautenmusik der Renaissance.

Autor: Keith Christiansen, Stefan Weppelmann (Hg.)
Titel: „Gesichter der Renaissance – Meisterwerke italienischer Portrait-Kunst“
Gebundene Ausgabe: 420 Seiten
Verlag: Hirmer
ISBN-10: 3777435813
ISBN-13: 978-3777435817

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