Heinrich von Kleist – 200. Todestag am 21. November 2011

Am 21. November 1811 erschoss Heinrich von Kleist zunächst seine Geliebte, die an Krebs leidende Henriette Vogel, und danach sich selbst. Er starb als ein Mensch, der an seinen Leidenschaften zerbrach, und als ein erfolgloser Schriftsteller, dessen Werk seinerzeit nur wenig Beachtung erfuhr.

Heute kennen wir natürlich „Die Marquise von O“, den „Zerbrochenen Krug“, das „Käthchen von Heilbronn“, die „Herrmannsschlacht“, den „Prinz Friedrich von Homburg“, den „Amphitryon“ und die „Penthesilea“ aus dem Schulunterricht. Kleist, der König der Schachtelsätze, ist ein fester Bestandteil des Kanons der deutschen Klassiker.

Es steht außer Frage, dass Heinrich von Kleist neben Friedrich Schiller vielleicht der bedeutendste deutsche Dramatiker, doch zu Lebzeiten wurden seine Stücke nicht einmal aufgeführt. Das einzige Stück, das Kleist selbst auf der Bühne erleben konnte, war seine „Penthesilea“. Ansonsten fanden seine Dramen kaum Beachtung.

Heinrich von Kleist wuchs in einer Offiziersfamilie auf, und selbstverständlich wurde auch für Heinrich die militärische Laufbahn als verbindlich angesehen. Doch Heinrich von Kleist fügte sich nur kurz dem väterlichen Wunsch. Bereits mit 22 Jahren quittierte er den Militärdienst und wechselte in den Zivildienst. An sich ist solch ein Schritt nichts Ungewöhnliches, und die Beweggründe können auch nicht mehr eindeutig nachvollzogen werden.

Das darauf folgende Studium war kurz, auch hier sind die verbliebenen Dokumente lückenhaft. Immer wieder wird Kleist auf Reisen gehen um zu studieren und zu schreiben. Zweimal hielt sich Kleist als freier Schriftsteller länger an einem Ort auf: 1807 bis 1809 in Dresden und in Berlin ab Februar 1810 bis zu seinem Tod.

Natürlich sind die Dramen Kleists auch heute noch lesens- bzw. sehenswert. In diesen Tagen wird überall Kleist gespielt, nicht nur in Berlin, aber hier ganz besonders. 200 Jahre sind ein willkommenes Jubiläum, um diesen zornigen und schwierigen jungen Mann wieder ins kulturelle Gedächtnis zurück zu rufen.

Für heutige Schüler sind die Kleistschen Schachtelsätze eine echte Herausforderung, die das Fassungsvermögen mancher jungen Köpfe übersteigen mag und trotzdem (oder gerade deswegen) eine gute Übung darstellen. Kleist kann man eben nicht runter lesen wie eine Irving oder eine Dora Heldt. Bei Kleist ist Substanz drin, auch wenn sie auf den ersten Blick kaum erkennbar, sondern gut versteckt in dem hintersten Winkel eines dritten oder vierten Nebensatzes steckt.

Einen sehr schönen Überblick und schnellen Einstieg in die Biografie Heinrich von Kleists gibt das kleine Büchlein von Hans Joachim Kreutzer, das im C.H.Beck-Verlag erschienen ist. Auf 130 Seiten erfährt man alles Wissenswerte über Kleists Leben und sein Werk.

Wer sich wieder einmal oder erstmalig mit den Werken Kleists befassen möchte, dem können zwei interessante und preisgünstige Taschenbücher ans Herz gelegt werden: zum Einen die in der Reihe „Fischer Klassik“ erschienene Anthologie „Heinrich von Kleist – Das große Lesebuch“ mit Briefen, Gedichten und Werksauszügen auf 368 Seiten (mit einem stimmungsvollen und atmosphärischen Nachwort von Clemens Meyer), zum Anderen das im Aufbau-Verlag erschienene Taschenbuch mit sämtlichen Erzählungen Kleists („Im Taumel wunderbar verwirrter Sinne“).

Vielleicht beginnen Sie aber auch mit einem der bekanntesten Stücke Kleist, dem „Zerbrochenen Krug“. Ein schöner Nachdruck der Erstausgabe von 1811 ist im Reprint-Verlag Leipzig erschienen. Nach wenigen Minuten hat man sich an die Frakturschrift gewöhnt und kann komplett in die turbulente Handlung dieses Lustspiels abtauchen. Drehen Sie Ihre Petroleumlampe auf und genießen Sie diese hinreißende Komödie eines der größten deutschen Schriftsteller.

Mit nur 34 Jahren nahm sich Heinrich von Kleist am 21. November 1811 am Kleinen Wannsee bei Berlin das Leben. Man muss davon ausgehen, dass durch seinen Tod viele bedeutende Werke der deutschen Klassik nicht geschrieben wurden. Aber schon allein mit seinen in wenigen Jahren geschriebenen Dramen und Erzählungen gehört Heinrich von Kleist zweifellos zu den wichtigsten Klassikern der deutschen Literatur.

 

Autor: Hans Joachim Kreutzer
Titel: „Heinrich von Kleist“
Taschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Beck
ISBN-10: 3406612407
ISBN-13: 978-3406612404

 

 

 

 

Autor: Clemens Meyer (Hg.)
Titel: „Heinrich von Kleist – Das große Lesebuch“
Broschiert: 367 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
ISBN-10: 3596903319
ISBN-13: 978-3596903313

 

 

 

 

Autor: Heinrich von Kleist
Titel: „Im Taumel wunderbar verwirrter Sinne – Sämtliche Erzählungen“
Taschenbuch: 330 Seiten
Verlag: Insel Verlag
ISBN-10: 345835736X
ISBN-13: 978-3458357360

 

 

 

 

Autor: Heinrich von Kleist
Titel: „Der zerbrochene Krug“ (Reprint von 1811)
Gebundene Ausgabe: 174 Seiten
Verlag: Reprint Verlag, Leipzig
ISBN-10: 3826230116
ISBN-13: 978-3826230110

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Heinrich von Kleist gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker des Neunzehnten Jahrhunderts und wurde zum Vorbild zahlreicher Schriftsteller verschiedener Stilrichtungen. Nach einem abgebrochenen Studium ging er zunächst nach Paris meldete sich erfolglos als Freiwilliger für die französische Armee. In den folgenden Jahren verfasste er seine bekanntesten Werke, darunter die Komödie „Der zerbrochene Krug“, das Drama „Das Käthchen von Heilbronn“ und die Erzählung „Michael Kohlhaas“. „Der zerbrochene Krug“ wurde von Goethe in Weimar aufgeführt, fand jedoch keinen Anklang beim Publikum. Nachdem Kleist seine Tätigkeit als Tageszeitungsredakteur verlor, nahm er sich 1811 das Leben.

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