Stefan Kuzmany: „Das können Sie glauben! – Die großen Religionen dieser Welt im Selbstversuch“

Kaum zu glauben, dass die Suche nach dem Glauben so komisch sein kann. Vielleicht muss man sich aber auch diesem an sich ernsten Thema mit jener heiteren Gelassenheit nähern, wie es Stefan Kuzmany getan hat. Denn eines Tages fand er eine Postwurfsendung der INITIATIVE GLAUBENSOFFENSIVE FÜR ALLE in seinem Hausbriefkasten, mit der er im Namen des HÖHEREN WESENS eingeladen wurde, sich aus dem großen Angebot an verfügbaren Glaubensangeboten, den Glauben auszusuchen, der „zu Ihrer Persönlichkeit und Ihrem Lifestyle passt“.

Gesagt, getan. Und schon geht der Leser mit Stefan Kuzmany auf die Reise durch die Irrgärten der verschiedenen Glaubensrichtungen. Im Selbstversuch beschäftigt er sich zunächst mit den drei abramitischen Religionen, also dem Islam, dem Christentum und dem Judentum, bevor er den Buddhismus und später gar Scientology untersucht.

Der Islam verschließt sich in vielen Dingen durch die arabische Sprache, das Christentum ist oft zu missionarisch, und das Judentum ist das genaue Gegenteil davon: ein geschlossener Club, der keine Veranlassung sieht, seine Mitgliederzahl durch Missionierung erhöhen zu müssen. Aber auch der Buddhismus und andere Religionsangebote haben ihre Schwächen.

Das Unterhaltsame an Kuzmanys Buch „Das können Sie glauben!“ ist die scheinbare Naivität, mit der er sich den Religionen und ihren Glaubensgrundsätzen nähert. Gleichzeitig hat der Autor aber sehr gut und ausführlich recherchiert und versorgt den Leser in zahlreichen informativen und oftmals sehr witzigen Fußnoten mit dem nötigen Hintergrundwissen über einzelne Personen oder Fachbegriffe.

Man glaubt gar nicht, wie schwer es fallen kann zu glauben, wenn man aus einer von Berufs wegen skeptischen Zunft stammt. Stefan Kuzmany ist Journalist, und Journalisten sind bekannt für ihre Ungläubigkeit was ungesicherte Fakten angeht, und davon gibt es in allen Religionen genügend.

Kuzmany arbeitet seit 2010 als Kulturredakteur bei Spiegel Online, nachdem er eine halbe Ewigkeit bei der Berliner taz gearbeitet hat. Na ja, eigentlich waren es nur vierzehn Jahre, aber immerhin.

Ewigkeit ist aber ein gutes Stichwort und führt uns direkt wieder zum Thema. Der Glaube an einen Gott und der Glaube an eine Ewigkeit, die entweder als solche in mehreren Leben auf der Erde gelebt oder in Seelenform in Paradies oder Hölle zu verbringen ist: Beides gehört zusammen wie Brot und Wein zum Abendmahl.

Stefan Kuzmanys Glaubenssuche ist ein witziges Buch, das den Glauben keineswegs auf die Schippe oder die Frage nach der richtigen Religion auf die leichte Schulter nehmen möchte. Der Autor versichert gleich zu Beginn des Buches, dass er niemanden verletzen möchte, und dass, wer meint, leicht verletzlich zu sein, bitte einfach nicht weiter lesen möge. Diese Sorge vor humorlosen, religiösen Fanatikern, die ihren Glauben falsch interpretiert oder nicht ernst genommen meinen, scheint nicht ganz unberechtigt in einer Zeit, wo sich manche Leute schon wegen ganz anderer Dinge in die Luft sprengen.

Doch zurück zu den eigentlichen Glaubensfragen: Wie finde ich den Weg zu einem Glauben, der zu mir passt? – Ist diese Frage nicht schon falsch gestellt und damit das ganze Projekt Glaubensfindung zum Scheitern verurteilt? Verhält es sich nicht genau anders herum, dass man zunächst seinen Glauben glauben muss und dann sein Leben neu ordnet und sich seine Welt so einrichtet, dass sie zu dem eigenen Glauben passt? Macht man nicht genau das, wenn man, obwohl man nicht im religiösen Sinne glaubt, doch zumindest daran glaubt, dass man das, was man glaubt, glaubt, weil man ein rational denkender Mensch ist, der nicht durch ein Höheres Wesen geschaffen, sondern infolge der Evolution auf natürlich-biologischem Wege gezeugt wurde, und damit gut?

So einfach kommt man als gutgläubiger Nichtglaubender natürlich nicht davon. Da hat man die Rechnung ohne den Schöpfer gemacht, so zu sagen. Denn allein die Frage nach dem Warum der eigenen Existenz an diesem Ort, zu dieser Zeit und in diesem Körper ist nicht hinreichend mit einem Hinweis auf die Zeugungswilligkeit und –fähigkeit der eigenen Eltern erklärt. Schließlich hätten auch andere Eltern einen wie mich zeugen können. Oder etwa nicht? War es Vorsehung? War der/die Schöpfer/in bei dieser Angelegenheit mitbeteiligt?

Wer im Reich des Glaubens fragt, bekommt in der Regel keine Antworten, sondern nur weitere Fragen. So bleibt der Suchende vielleicht zeitlebens auf dem unbequemen Stuhl bei Günter Jauch gefesselt: Wenn er auf die Frage nach dem rechten Glauben – A, B , C oder D – eine Antwort nennt und Günter Jauch immer wieder fragt: „Sind Sie sich wirklich sicher?“

Nein, sicher kann man sich nie sein, weil man es nie wirklich wissen kann. Man kann es nur glauben. Darum heißt der Glaube ja auch Glaube und nicht Wisse. Allerdings gibt es eine Glaubensgewissheit, und das ist auch etwas Schönes. Das allerdings hat Stefan Kuzmany bei seiner Suche nach der richtigen Religion nicht gefunden. Glaube ich wenigstens.

Wie auch immer, glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass dieses Buch ein unterhaltsamer und kurzweiliger Führer durch die vielfältigen Glaubensangebote im großen Supermarkt der Religionen ist. Ganz ehrlich, das können Sie glauben!

Lesen Sie auch unser unglaubliches Interview mit Stefan Kuzmany über sein neues Buch und seine Suche nach dem rechten Glauben!

Autor: Stefan Kuzmany
Titel: „Das können Sie glauben! – Die großen Religionen dieser Welt im Selbstversuch“
Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH
ISBN-10: 3596180902
ISBN-13: 978-3596180905

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