Neue Bücher

Bereits 1802 hatte August Wilhelm Schlegel eine sehr dezidierte Meinung, was Neuerscheinungen betrifft… Wir sehen es daher als eine wichtige kulturelle Aufgabe, die Spreu vom Weizen zu trennen und Ihnen hier die wichtigsten und lesenswerten Sachbücher aus der geradezu unüberschaubaren Menge an Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt vorstellen.

Die neuen Bücher, die Sie lesen sollten. Hier finden Sie die definitive Auswahl an interessanten Neuerscheinungen. Mehr brauchen Sie nicht.


Aktuelle Rezensionen:


Athena Panteos u. Tim Rojek (Hg.): „Texte zur Theorie der Geisteswissenschaften“Athena Panteos u. Tim Rojek (Hg.): „Texte zur Theorie der Geisteswissenschaften“

Die Entwicklung der Geisteswissenschaften war und ist eng mit dem Diskurs über ihre theoretische Fundierung verbunden. Wenn man einen historischen Blick auf die Geisteswissenschaften wirft, so lassen sich drei Entwicklungsphasen identifizieren, die in diesem Sammelband auch hinreichend mit entsprechenden Texten zur Theorie der Geisteswissenschaften abgedeckt werden. Es geht, das muss ausdrücklich betont werden, nicht um eine historische Entwicklung der Geisteswissenschaften selbst, sondern um die Zusammentragung zentraler Texte, die die historische Entwicklung der Theorie der Geisteswissenschaften belegen.

In einer ersten vorwissenschaftlichen Phase beschäftigte man sich zwar durchaus mit geisteswissenschaftlichen Themen sowie mit einer Theorie der geisteswissenschaftlichen Disziplinen, ohne diese Bezeichnung Geisteswissenschaft zu verwenden. So befasste sich schon Aristoteles als erster bedeutender Philosoph der griechischen Antike in seiner Metaphysik mit dem ordnenden Versuch einer wissenschaftlichen Systematik. In Abgrenzung zu den Naturwissenschaften, die ebenfalls von ihm eine erste grundlegende Ordnung erfuhren, betrieb er in erster Linie Philosophie – von der Naturphilosophie über die Metaphysik bis zur Lebenskunst. Aristoteles darf als ein wichtiger Vorbereiter für jene Unterscheidung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften gelten, wie sie viele Jahrhunderte später in der Moderne vorgenommen wurde.


Christoph Krelle: „Kreatives Schreiben — Sag mal, wie schreibe ich ein Wolfsmärchen?“Christoph Krelle: „Kreatives Schreiben — Sag mal, wie schreibe ich ein Wolfsmärchen?“

Nehmen wir einmal an, Sie sind eine leidenschaftliche Leserin: Sie lesen viel, haben ein gutes Gespür für den richtigen Stil und ein feines Gefühl für Sprache; Sie spielen gern mit Worten und sind immer empfänglich für eine gut erzählte Geschichte. Wie wäre es, wenn Sie einmal die Seiten wechselten und von einer Leserin zur Autorin würden?

Viele Menschen haben den heimlichen Wunsch, Schriftsteller zu werden. Wäre es nicht wunderbar, Geschichten zu erzählen, Menschen damit zu unterhalten oder gar glücklich zu machen und von diesem Scheiben auch noch leben zu können? — Man muss ja nicht immer gleich nach den Sternen greifen; manchmal genügte es auch, sich einfach mal kreativ mit dem Schreiben zu befassen: Schreiben als Hobby, Schreiben aus Spaß an der Freude.

Mit manchen Büchern ist es eine seltsame Sache. Sie erscheinen in einem kleinen Verlag, geschrieben von einem unbekannten Autor, und auch der Titel scheint auf den ersten Blick nicht dazu angetan, den müden Blick des Rezensenten einzufangen. Und doch landete das vorliegende Büchlein — mit seinen 72 Seiten ist es eigentlich mehr ein Heftchen — nach einer kurzen Leseprobe auf meinem Schreibtisch.


Volker Weidermann: „Dichter treffen — Begegnungen mit Autoren“Volker Weidermann: „Dichter treffen — Begegnungen mit Autoren“

Man kennt den Literaturwissenschaftler Volker Weidermann aufgrund seiner zahlreichen Publikationen zur deutschen Literaturgeschichte. Er arbeitete viele Jahre als Literaturredakteur und Feuilletonchef bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. 2015 wechselte er zum Spiegel; trotz dieses Wechsels zum Boulevard ist er nach wie vor eine wichtige Stimme der deutschen Literaturkritik. Seit Ende 2015 moderiert er auch die Neuauflage des Literarischen Quartetts im ZDF.

Das vorliegende Buch über seine Begegnungen mit Autoren schließt eine Lücke in seiner Publikationsliste. Das bei Kiepenheuer & Witsch erschienene Buch versammelt über 50 intime Portraits von Schriftstellern, denen Weidermann seit 2001 begegnet ist.

Im Vorwort betont der Autor, dass er diesen Schriftstellern bewusst nicht als Kritiker gegenübertrat, sondern als ein neugieriger Leser mit ihnen zusammentraf, als jemand, der von ihren texten begeistert war und wissen wollte, wie sie zustande kamen. Diese Neugier auf den Menschen hinter den Texten ist ansteckend.


Hannah Arendt: "Wir Flüchtlinge"Hannah Arendt: „Wir Flüchtlinge“

Ist Hannah Arendt Essay von 1943 in der Lage, einen Beitrag zur Diskussion um die Situation der Flüchtlinge in Deutschland zu liefern? – Diese Frage mag man sich spontan stellen, wenn man das schmale Bändchen aus der „Was bedeutet das alles?“- Reihe des Reclam-Verlages in der Buchhandlung entdeckt. Jüngst als Monografie aufgelegt, soll Arendts Text wohl vor allem durch seinen aktuell wirkenden Titel die Aufmerksamkeit des Lesepublikums wecken. Doch vielleicht steckt noch mehr dahinter?

Der Beitrag erschien erstmals im Januar 1943 unter dem Titel We Refugees im Menorah Journal. Hannah Arendt lebte seit 1937 in den USA und schrieb seitdem auf Englisch. Ihr bekannter Essay ist für unsere heutige Zeit auf den ersten Blick nicht mehr relevant.

Denn sie schreibt aus einer weltpolitischen Situation heraus, in der Hitler die halbe Welt in den Krieg getrieben, viele Länder besetzt und vor allem die Ausrottung der Juden mit einem Tempo und einer Perfektion vorangetrieben hat, die die Lage der Juden, aber auch vieler anderer Nationen an den Abgrund getrieben hatte.


Christina Templin: “Medialer Schmutz — Eine Skandalgeschichte des Nackten und Sexuellen im Deutschen Kaiserreich 1890 – 1914“Christina Templin: “Medialer Schmutz — Eine Skandalgeschichte des Nackten und Sexuellen im Deutschen Kaiserreich 1890 – 1914“

Aus heutiger Perspektive mögen wir die Moralvorstellungen der Zeit des Deutschen Kaiserreichs belächeln und den Kopf schütteln über die Auslöser jener Skandale, die seinerzeit die Menschen beschäftigt haben. Trotzdem vollzog sich in jener wilhelminischen Gesellschaft, die ihr Augenmerk scheinbar so sehr auf Ordnung und Disziplin richtete, hinter den Kulissen ein Sittenwandel, der vor allem in seiner Medialität interessant und einer genaueren Untersuchung wert ist.

Ein enggefasster Kulturbegriff der „Hochkultur“, wie er vor über 100 Jahren sehr en vogue war, basiert auf einer klassischen definitio ex negativo: alles, was nicht dazugehören sollte, wurde als „niedrig“ angesehen, als seichte „Unterhaltung“ und — am anderen Ende des Spektrums — als „Schmutz“ und „Schund“. Die Unterscheidung von Schund und Schmutz zielt auf den Bereich des Sexuellen. Was als kultureller Schund in Bild, Ton und Schrift den Intellekt beleidigte, fand im Schmutz der Pornographie seine sexuelle Spielart.


Terry Eagleton: „Literatur lesen — Eine Einladung“Terry Eagleton: „Literatur lesen — Eine Einladung“

„Die Kunst, Werke der Literatur zu analysieren, ist beinahe genauso veraltet wie der Holzschuhtanz.“ — Mit dieser scheinbar defätistischen Aussage beginnt das neue Buch des britischen Literaturwissenschaftlers Terry Eagleton. In ihm bricht er eine Lanze für das „langsame Lesen“ von Literatur.

Warum sollte man sich mit der Analyse und Interpretation von Literatur beschäftigen? Aus einem ganz einfachen Grund: weil es kaum eine bessere Schule des Lebens gibt als die intensive Beschäftigung mit literarischen Werken! Sie liefern uns exemplarische Entwürfe der Wirklichkeit, zeigen aus verschiedenen Perspektiven, wie sich Möglichkeitsräume eröffnen lassen, bieten uns die Gelegenheit, für die Zeit der Lektüre in die Haut unendlich vieler literarischer Figuren zu schlüpfen und auf diese Weise mit uns selbst auszumachen, wie wir uns in den entsprechenden Lebenssituationen verhalten würden oder verhalten sollten.


Marius Hentea: “Tata Dada — Über das wahre Leben und die himmlischen Abenteuer des Tristan Tzara“Marius Hentea: “Tata Dada — Über das wahre Leben und die himmlischen Abenteuer des Tristan Tzara“

Fällt der Name Tristan Tzara, so scheint die erste Assoziation offensichtlich: Dada. Diese Verknüpfung ist zwar richtig, doch sie greift viel zu kurz. Der Rumäne Tristan Tzara ist zwar der Mitbegründer der Schweizer Dada-Bewegung gewesen, die 1916 im Cabaret Voltaire ihren Anfang nahm, doch schon nach wenige Monaten war diese Dada-Phase wieder vorbei. Was dann folgte, geriet lange zeit in Vergessenheit, und doch macht es den Hauptteil des künstlerischen Schaffens dieses Sprachspielers aus.

Tristan Tzara ist ein Künstlername. Geboren 1896 als Samuel Rosenstock in einer jüdischen Familie im Nordosten Rumäniens — das genaue Geburtsdatum ist unbekannt, wächst Tzara auf dem Lande auf. Vor allem um ihren Sohn vor dem rumänischen Militärdienst zu bewahren, schickten ihn die Eltern 1915 in die Schweiz. Für Tzara war es der entscheidende Schritt aus der Enge seiner rumänischen Heimat in eine freie und politisch neutrale Welt.


Thomas Grundmann u. Achim Stephan (Hg.): “Welche und wie viele Flüchtlinge sollen wir aufnehmen? — Philosophische Essays“Thomas Grundmann u. Achim Stephan (Hg.): “Welche und wie viele Flüchtlinge sollen wir aufnehmen? — Philosophische Essays“

Mitte September 2015 fand in Osnabrück die GAP9, eine große Fachtagung für Analytische Philosophie, statt. Kurz zuvor hatte Bundeskanzlerin Merkel, anlässlich der katastrophalen Zustände in den Flüchtlingslagern an der ungarischen Grenze und auf der Balkanroute, ihren berühmten Satz („Wir schaffen das.“) ausgesprochen und die Grenzen für die mehr oder weniger unkontrollierte Einwanderung von Flüchtlingen geöffnet.

Diese historisch zu nennende Entwicklung ging auch an den Teilnehmern dieser philosophischen Fachtagung nicht spurlos vorüber, und so wurde kurzerhand und spontan das politische Tagesthema auf die Agenda der Tagung gesetzt. Sowohl der amtierende Präsident der GAP (Achim Stephan) als auch sein designierter Nachfolger (Thoms Grundmann) waren sich einig darüber, dass die Analytische Philosophie zu diesem gesellschaftspolitischen und eben auch fundamental philosophischen Thema der Migration nicht schweigen dürfe.


Oliver Jahraus (Hg.): „Zugänge zur Literaturtheorie — 17 Modellanalysen zu E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann“Oliver Jahraus (Hg.): „Zugänge zur Literaturtheorie — 17 Modellanalysen zu E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann“

Der Sandmann, erschienen 1816, gehört wohl zu bekanntesten Erzählungen von E. T. A. Hoffmann. Dieses Kunstmärchen der Schwarzen Romantik erzählt die Lebensgeschichte des sensible Nathanael aus verschiedenen Perspektiven. Der Sandmann verkörpert für Nathanael seine Angst vor höheren Mächten. Seine Verlobte Clara und deren Bruder Lothar, denen er in Briefen davon erzählt, halten das jedoch für bloße Einbildung.

Wer sich für Literaturwissenschaft interessiert und eine Antwort auf die Frage sucht, was man wissenschaftlich mit einem Text alles anstellen kann, ist mit dem vorliegenden Buch bestens ausgerüstet. Herausgegeben von dem bekannten Literaturwissenschaftler Oliver Jahraus, wird in 17 Variationen gezeigt, wie die verschiedenen Literaturtheorien aus ihren jeweiligen Perspektiven einen literarischen Text analysieren.


Henri Cartier-Bresson: „Die Photographien“Henri Cartier-Bresson: „Die Photographien“

Es ist wohl keine Übertreibung, wenn man Henri Cartier-Bresson als den einflussreichsten Photographen des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Cartier-Bresson lebte von 1908 bis 2004. Seine frühen Arbeiten wurden zu Ikonen der Leica-Photographie. Nach dem zweiten Weltkrieg hat er 1947 zusammen mit Robert Capa, David „Chim“ Seymour und George Rodger in Paris die weltbekannte, unabhängige Fotoagentur MAGNUM gegründet.

Seine photographischen Reportagen für MAGNUM und sein künstlerisches Werk — zwei Welten, die niemals wirklich zu trennen waren, zeugen von einem einzigartigen Gespür für jenen richtigen, entscheidenden Augenblick, den „moment décisif“, der Cartier-Bresson weltberühmt machen sollte. Cartier-Bresson hat sich immer wieder intensiv mit dem Phänomen der Photographie beschäftigt und seine Arbeit reflektiert. So schreibt er im Nachwort zu diesem Band, der Fotoapparat sei für ihn „ein Skizzenblock, das Werkzeug der Intuition und der Spontaneität“. Nicht er selbst, sondern die Kamera sei „der Herr über den Augenblick, der visuell hinterfragt und zugleich entscheidet“.


Sarah Bakewell: „Wie soll ich leben? Oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten“Sarah Bakewell: „Wie soll ich leben? Oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten“

Montaigne schrieb seine Memoiren nicht, wie andere Adlige seiner Zeit. Er kompilierte nicht seine Begegnungen mit wichtigen Persönlichkeiten und seine Erinnerungen an die wichtigsten historischen Ereignisse, die seinen Lebensweg kreuzten. Vielmehr unterzog er sich einer kontingenten und ungeordneten Auswahl von persönlichen Fragen, mit denen er sich introspektiv beschäftigte und diese Gedanken aufschrieb. In Ermangelung eines besseren Titels nannte er diese Textsammlung einfach „Essais“. Der Rest ist Geschichte.

Sarah Bakewell ist eine britische Schriftstellerin, sie lebt in Clapham, im Süden Londons. Ihr Buch über Montaigne wurde in den USA mit dem „National Book Critics Circle Award for Biography“ und in Großbritannien mit dem „Duff Cooper Prize for Non-Fiction“ ausgezeichnet. Man kann über den Sinn und Zweck von Literaturpreisen streiten, aber dieses Buch hat solche Unterstützung gar nicht nötig: Es leuchtet wie ein Edelstein in einem Buchregal voller stumpf-grauer Kohle.


Axel Hacke: „Das kolumnistische Manifest — Das Beste aus 1001 Kolumnen“Axel Hacke: „Das kolumnistische Manifest — Das Beste aus 1001 Kolumnen“

Da liegt er nun vor einem: der ganze Hacke! Na, zumindest das Beste aus 1001 Kolumnen, die er in den vergangenen 25 Jahren für die Süddeutsche geschrieben hat.

Es kann einem schon ein bisschen seltsam werden, wenn man diesen gedruckten Ziegelstein mit seinen 624 Seiten in den Händen hält. Eigentlich sind Manifeste ja sonst dünner… Aber Axel Hacke hat eine Menge zu sagen. Dieses Manifest bietet den vollen Lesespaß für den gesamten Haushalt, denn seine Texte sind nicht nur leicht bekömmlich, sondern auch für nahezu alle Altersstufen geeignet.

Die wahre Tiefe und Hintergründigkeit wird sich jedoch vor allem dem erwachsenen Leser erschließen, der diesen Künstler der Kolumne seit langem zu schätzen weiß. Axel Hacke schafft nämlich, was nur wenigen seiner Kollegen gelingt: Er kann auch schwierige und ernste Themen mit einer Leichtigkeit präsentieren, dass es ein Vergnügen ist, seine Texte zu lesen.


Rayk Anders: "Eure Dummheit kotzt mich an — Wie Bullshit unser Land vergiftet"Rayk Anders: „Eure Dummheit kotzt mich an — Wie Bullshit unser Land vergiftet“

Wenn man die Leute erreichen möchte, so ist es durchaus verständlich und notwendig, laut zu werden und verbal ordentlich auf den Tisch zu hauen. Anders geht es nicht, obwohl man es sich anders wünschte.

Insofern ist es nachvollziehbar, dass Rayk Anders einen ziemlich rauen Ton anschlägt, um seine Leserschaft zu erreichen. Und doch ist diese Art der Kommunikation für Leser jenseits der 50 – wie den Rezensenten – zumindest ungewohnt.

Jedoch der mediale Erfolg, den Rayk Anders mit seiner Variante des Haha-Journalismus hat, gibt ihm Recht: Pro Woche erreichen seine Beiträge auf Facebook und YouTube – laut Klappentext – bis zu vier Millionen Leser. Solche Zahlen können nicht nur neidisch machen, sondern sie sind ein eindeutiges Indiz für die mediale und somit auch gesellschaftliche Relevanz dieser Stimme.


E. M. Forster: "Die Maschine steht still"E. M. Forster: „Die Maschine steht still“

Man kennt E. M. Forster als den Autor von „Wiedersehen in Howards End“ oder von „Zimmer mit Aussicht“. 1879 in London geboren, zählt er zu den einflussreichsten Schriftstellern der Klassischen Moderne in der englischen Literatur. Jetzt ist im Hoffmann und Campe-Verlag ein schmales Bändchen mit einer frühen Erzählung Forsters erschienen: „Die Maschine steht still“.

Im Jahre 1909 erschien im Magazin The Oxford and Cambridge Review die Erzählung eines jungen Schriftstellers mit dem Titel „The Machine stops“. Dieser kurze Text entführt den Leser in die Zukunft; was Forster hier beschreibt, ist eine Welt, in der sich die Menschen komplett von DER MASCHINE abhängig geworden sind.


Richard David Precht (C) 2016 Ralph KrügerRichard David Precht: Im Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse 2016 über sein neues Buch „Tiere denken“

Auf der Frankfurter Buchmesse 2016 hatten wir Gelegenheit, mit Richard David Precht über sein neues Buch „Tiere denken – Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen“ zu sprechen. Precht hat interessante Argumente für eine neue „Tierethik des Nicht-Wissens“ in seinem Buch zusammengetragen und kann zeigen, wie ambivalent der Umgang des Menschen mit den anderen Tieren ist.

Einerseits lieben wir Tiere über alles, sind fasziniert von ihren Fähigkeiten und bewundern sie; andererseits haben wir kein Problem damit, Tiere zu essen, die zuvor ein leidvolles Leben in den Ställen der Massentierhaltung fristeten…


Richard David Precht: „Tiere denken — Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen“Richard David Precht: „Tiere denken — Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen“

Richard David Precht wollte als Kind Zoodirektor werden. Zu Beginn seines Buches schreibt er, der sensible Umgang mit den Tieren und das Verhältnis von Mensch und Tier sei so etwas wie sein „Lebensthema“. Sein Buch handelt von der Schwierigkeit, die ein denkendes Tier hat, wenn es sich eine Vorstellung vom Innenleben anderer Tiere macht.

1997 verschlug es den Autor durch Zufall nach Braunschweig zu einem Kongress über „Tier – Rechte – Ethik“. Es war, wie er selbst schreibt, sein intellektuelles Woodstock in Sachen Tierethik. Noch im gleichen Jahr erschien sein Buch „Noahs Erbe“. Das jetzt erschienene Buch „Tiere denken“ ist keine Neuauflage von „Noahs Erbe“, sondern wurde in weiten Teilen neu geschrieben und nimmt die zahlreichen Entwicklungen auf, die im Bereich der Forschung, des Tierschutzes und der Tierrechtsbewegung im Laufe der letzten fast 20 Jahre stattgefunden haben.


Oliver Ruf: „Kreatives Schreiben“Oliver Ruf: „Kreatives Schreiben“

Georg Christoph Lichtenberg war der Meinung, dass „Schreiben etwas erweckt was man vorher nicht deutlich kannte, ob es gleich in uns lag“. Vielleicht ist damit schon alles gesagt, was man sich vom kreativen Schreiben erhoffen mag: dass es in uns einen Prozess in Gang setzen möge, der kreative Kräfte freisetzt und die Ideenquelle zum Sprudeln bringt.

Während in deutschen Studierstuben noch streng auf die Unterscheidung von E und U gewacht und das Schild der Wissenschaft hochgehalten wurde, begann man in den USA, getreu dem für die angloamerikanischen Kulturen so typischen pragmatischen Zugang zur Wirklichkeit, die Studenten in so genannten Creative-Writing-Kursen mit dem Handwerk des kreativen Umgangs mit Sprache zu unterrichten.

Oliver Ruf hat sich ausführlich mit dem Phänomen des Kreativen Schreibens — hier großgeschrieben und als feststehender Begriff verstanden — beschäftigt. Die Geschichte dieser kulturellen Praxis beginnt bereits Ende des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten, und es ist verblüffend und erschrecken zugleich, wie lange diese Kreativitätstechnik gebraucht hat, um über den großen Teich nach Europa zu kommen und in der wissenschaftlichen Arbeitsweise des alten Kontinents Einzug zu halten.


Hans Fallada: “Kleiner Mann — was nun?”Hans Fallada: „Kleiner Mann – Was nun?“ (Originalfassung)

Der Aufbau-Verlag hat sich schon länger um die literarische Aufarbeitung des Gesamtwerks von Hans Fallada verdient gemacht. Nun ist Falladas vielleicht berühmtester und erfolgreichster Roman „Kleiner Mann — was nun?“ in der Originalfassung erschienen.

Die Publikations- und Editionsgeschichte dieses Romans liest sich selbst wie ein Krimi. Geschrieben 1932, wird „Kleiner Mann — was nun?“ noch im selben Jahr gedruckt. Allerdings weist das Buch bereits erhebliche Streichungen auf, die mehr als eine textliche Straffung des Materials bedeuteten und viele Szenen betrafen, die zu jener Zeit aufgrund ihrer Freizügigkeit eventuell hätten Anstoß erregen können. Wenn man das weiß, fällt einem unwillkürlich Erich Kästners „Gang vor die Hunde“ ein, der kurz zuvor aus denselben Gründen zurechtgestutzt wurde und mit dem neuen Titel „Fabian“ zu einem großen Erfolg wurde.

Am Vorabend der Machtergreifung der Nationalsozialisten beschreibt Fallada sehr ausführlich und lebensnah das Leben der Leute aus kleinen Verhältnissen. Die prekäre wirtschaftliche Lage der kleinen Leute in der Weltwirtschaftskrise wird ebenso greifbar wie die angespannte politische Situation jener Zeit der Straßenkämpfe zwischen Links und Rechts. Es gelingt Fallada, mit seinen Protagonisten Pinneberg, Lämmchen und dem kleinen Purzel ein Bild der Zeit zu malen, das trotz aller Widernisse einen Optimismus ausstrahlte, der viele Leser ansteckte.


Eike Rautenstrauch: „Berlin im Feuilleton der Weimarer Republik — Zur Kulturkritik in den Kurzessays von Joseph Roth, Bernard von Brentano und Siegfried Kracauer“Eike Rautenstrauch: „Berlin im Feuilleton der Weimarer Republik — Zur Kulturkritik in den Kurzessays von Joseph Roth, Bernard von Brentano und Siegfried Kracauer“

Eike Rautenstrauch hat seine Dissertation über das Berlin-Bild im Feuilleton der Zwanziger Jahre geschrieben. Anhand von drei exemplarischen Autoren — Joseph Roth, Bernard von Brentano und Siegfried Kracauer — möchte er zeigen, wie sich alle drei anhand von Architekturfigurationen in den kulturellen Diskurs ihrer Zeit eingeschrieben haben. Seine Arbeit verbindet erstmals literaturwissenschaftliche und kulturhistorische Ansätze in der Forschung.

Essays sind ein dankbarer Untersuchungsgegenstand literaturwissenschaftlicher Forschung. Wie es dem wissenschaftlichen Anspruch dieses Fachs entspricht, wird vor allem die literarische Form untersucht, während der Inhalt jener Essays zumindest nicht im Vordergrund steht, sondern eher als eine Nebensache behandelt wird. Im Gegensatz hierzu betont der kulturhistorische Ansatz der Feuilletonforschung viel mehr die inhaltliche Ebene des Gegenstands, also die Frage, was in den Feuilletons aus historischer Sicht behandelt wurde. Die Form selbst, die mediale Vermittlung, spielt eher eine Nebenrolle.


Michael Pauen: „Die Natur des Geistes“Michael Pauen: „Die Natur des Geistes“

Die Philosophie des Geistes galt lange Zeit als eine der wichtigsten Disziplinen der Theoretischen Philosophie. Was ist der menschliche Geist? Wie hängen Körper, Geist und Seele zusammen? Wie ist das Verhältnis von Geist und Verstand, von Gehirn und Welt, beschaffen und wie formt? Wie bestimmt der Geist unsere Wahrnehmung der Realität und die Beschaffenheit unseres Bewusstseins?

Seit vielen Jahren haben die Neurowissenschaften und der rein naturwissenschaftliche Blick auf den Geist und das Bewusstsein den Diskurs über die Natur des Geistes bestimmt, doch eine Erklärung des Geistes scheint ferner denn je. Michael Pauen ist jedoch der Meinung, dass es durchaus eine plausible Erklärung für das Phänomen des Bewusstseins gibt.

Die Forschungsgeschichte zeigt, dass sich die Vorstellungen von Gehirn und Geist immer wieder verändert haben. Je nach Forschungs- und Erkenntnisstand wurden beide Begriffe unterschiedlich wahrgenommen und in ihren Funktionen definiert. Wenn also heute das Problem der Bestimmung des menschlichen Bewusstseins unlösbar erscheint, so heißt dies noch lange nicht, dass das auch in Zukunft so bleiben muss. Pauen möchte mit seinem Buch einer solch zukünftigen Lösung den Weg ebnen.


Marion Beckers (Hg.): „Alice Lex-Nerlinger – Fotomonteurin und Malerin“Marion Beckers (Hg.): „Alice Lex-Nerlinger – Fotomonteurin und Malerin“

Nicht selten sind es gerade nicht die berühmten Namen der ersten Reihe, die mit ihrem Kunstschaffen ein für die jeweilige Strömung charakteristisches Bild abgeben; zu sehr überstrahlen ihre Namen die Rezeption des Publikums und lenken von der künstlerischen Aussage ab. Sondern oft sind es gerade jene Künstler aus der zweiten Reihe, in deren Werken wir den Zeitgeist viel reiner und unverbrauchter, ja unverstellter, nachempfinden können.

Alice Lex-Nerlinger war (und ist bis heute) eine solche Künstlerin der zweiten Reihe, deren Oeuvre lange Zeit vernachlässigt wurde – sehr zu unrecht. Geboren 1893 in Berlin als Tochter des Gaslampen-Fabrikanten Heinrich Pfeffer, besuchte sie nach der Schule die dortige Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums und studierte, breit gefächert, Architektur, Ornamentik und Textilhandwerk. Dort lernte sie ihren späteren Mann, den Maler Oskar Nerlinger, kennen. Aber auch die anderen Kommilitonen sind nicht ganz unbekannt: George Grosz, Karl Hubbuch, Eva Peter und Hannah Höch.


Erich Kästner: "Notabene 45 – Ein Tagebuch"Erich Kästner: „Notabene 45 – Ein Tagebuch“

Erich Kästner ist bekannt für seine spitze Zunge und seinen lakonischen Humor. Beides lässt er nicht nur in seinen zahlreichen Romanen, Erzählungen und Gedichten aufblitzen, sondern auch in seinen Tagebuchaufzeichnungen. Als einer, der dageblieben ist, als der Terror des Dritten Reiches die halbe Welt verwüstete, hat er in kleinen unauffälligen Kladden fleißig notiert, was er gesehen und erlebt hat.

Kästners Bücher landeten schon bald nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten auf den Scheiterhaufen der Bücherverbrennung im Mai 1933. Kästner schaute sich das Spektakel aus dem Hintergrund an; seitdem wusste er Bescheid, wie es um seine künstlerische Freiheit stand. Kurz darauf wurde ihm von oberster Ebene ein Schreibverbot erteilt. Seine Bücher konnten nur noch im Ausland publiziert werden.


Daniel Morat u. a.: „Weltstadtvergnügen — Berlin 1890-1930“Daniel Morat u. a.: „Weltstadtvergnügen — Berlin 1890-1930“

Während Berlin seit den 1870er Jahren einen in Europa unvergleichbaren Aufschwung nahm — zwischen 1870 und 1890 verdoppelte sich die Einwohnerzahl, und allein zwischen 1900 und 1910 stieg die Bevölkerungszahl um 1 Million von 2,7 auf 3,7 Mio. Einwohner —, begann sich in diesem großstädtischen Moloch eine Freizeitkultur zu entwickeln, die, vor allem in den 1920er Jahren, den Vergleich mit Paris, London oder New York nicht scheuen brauchte.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des deutschen Kaiserreiches schaffte die junge und gebrechliche Demokratie der Weimarer Republik die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für eine Freisetzung kreativer und künstlerischer Kräfte auf allen Ebenen der Kultur. Die Arbeitsbedingungen verbesserten sich grundlegend, plötzlich gab es so etwas wie „Freizeit“, die der Erholung von Körper und Geist dienen sollte und mit „Sinn“ gefüllt werden wollte. Das junge Heer der Angestellten wollte sich nach Feierabend amüsieren. Der Siegeszug des neuen Mediums Film und die Ära der großen Lichtspieltheater wäre ohne eine entsprechend ausgebildete Angestellten-Kultur undenkbar.